Die alte Mühle (Tütgemühle)

Die Tütgemühle

Vom Mühlrad zum Naturparadies

Verborgen im Furlbachtal erzählt die alte Tütgemühle eine der bewegtesten Geschichten unserer Gemeinde. Was 1849 als einfaches Haus begann, wurde zur Getreidemühle, in den Kriegsjahren zu einem versteckten Laboratorium und in der Nachkriegszeit zu einem lebhaften Schullandheim. Auch wenn das Gebäude heute nicht mehr steht: Entdecken Sie die faszinierende Historie eines Ortes, den sich die Natur längst als wertvolles Biotop zurückerobert hat.

Die Tütgemühle

Die Anfänge und der Weg zur Mühle

Das ursprüngliche Mühlhaus im Furlbachtal wurde 1849 durch August Bödeker erbaut. Schon zwei Jahre später, im Jahr 1851, beantragte dieser eine Konzession zum Betrieb einer Mehlmühle, die jedoch abgelehnt wurde. 1859 wurde das Gehöft an die Familie Echterling aus Stukenbrock veräußert. Da die Familie Echterling katholischen Glaubens war, führte dies in jener Zeit immer wieder zu Zwietracht mit den evangelischen Augustdorfern.

Erst 1885 wurde das Wohnhaus durch den Müller Wiebusch, der die Stätte inzwischen erworben hatte, endgültig zu einer Mehlmühle erweitert. Im Volksmund erhielt sie den Namen „Tütgemühle“.

Kriegsjahre und Zweckentfremdung

Die letzten Müllersleute, das Ehepaar Möller, bewirtschafteten die Mühle bis in die 1930er Jahre. Als Herr Möller in den Kriegsdienst eingezogen wurde, konnte seine Frau Luise den Betrieb allein nicht mehr aufrechterhalten. Sie baute sich am Ludwig-Altenbernd-Weg in Richtung Augustdorf ein kleines Haus und zog dorthin um.

Seit etwa 1939 gehört der Grund und Boden als Wasserschutzgebiet zu den Wasserwerken der Stadt Bielefeld. In den Kriegsjahren erfuhr die Alte Mühle eine völlige Zweckentfremdung: Sie wurde in Eigenleistung und mit Hilfe der Chemisch-Pharmazeutischen Fabrik Dr. August Wolf zu einem Laboratorium umgebaut. Im Mai 1945 diente die Alte Mühle zudem als Versteck für Frauen und Kinder vor den einrückenden Truppen.

Vom Schullandheim zum Abriss

Nach dem Krieg brach 1949 ein neues Kapitel an. Die Bielefelder Sudbrackschule baute die Mühle unter der Leitung von Rektor Strübe zu einem Schullandheim um, das am 27. Mai 1950 feierlich eingeweiht wurde.

Doch Mitte der 1960er Jahre rückte der Truppenübungsplatz immer näher an das Gemeindegebiet von Augustdorf heran. Die Stadtwerke Bielefeld zäunten das Wasserschutzgebiet ein, und auch das Naturschutzgebiet am Furlbach wurde 1967 für das dortige Damwild und die Mufflons umzäunt. Unter diesen strengen Auflagen konnte das Schullandheim nicht weiter betrieben werden. Dies führte schließlich dazu, dass die Alte Mühle im Jahre 1978 abgerissen werden musste.

Ein Paradies für die Natur:
Die Mühlteiche heute

Wo einst das Gebäude stand, prägt heute die Natur das Bild. Auf der gegenüberliegenden Seite liegen noch immer die ehemaligen Mühlteiche, die einst das Wasser für den Betrieb des Mühlrades sammelten. Hinter diesen Teichen befindet sich das eigentliche Quelltal des Furlbaches, eingebettet in einen großen Dünenbogen.

Das Quellwasser tritt dort an vielen Stellen im Talboden und an den Talkanten zutage. Verborgen unter einer dichten Vegetationsdecke fließen unzählige kleine Rinnsale zusammen, um den Furlbach zu bilden, der südlich von Kaunitz in die Ems mündet. Auch wenn die Mühle verschwunden ist – die alten Mühlteiche sind heute ein unersetzlicher und wertvoller Lebensraum für die lokale Flora und Fauna.

Tütgemühle - Die Mühlteiche


Quellen:

Augustdorfer Chronik 1775 – 1975 von Rohtraut Müller-König; Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold); Zeitungsartikel „Oma Lünsche“ (Freie Presse, 15.09.1962).

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