Heimatkeller
Ein lebendiges Stück Heimatgeschichte
Seit mehr als zehn Jahren dokumentiert der Heimatverein Augustdorf im Heimatkeller der Grundschule in der Senne ein wertvolles Stück regionaler Geschichte. Unter dem Leitgedanken „Die bäuerlichen Traditionen sollen lebendig bleiben“ entstand ein Ort, der Vergangenheit erlebbar macht.
Aus Platzgründen zog die Sammlung einst aus der Heimatstube im Bürgerzentrum in den heutigen Heimatkeller um. Mit viel Engagement und handwerklichem Einsatz zahlreicher Mitglieder wurde hier Schritt für Schritt ein lebendiges Bild früherer Lebens- und Arbeitsweisen geschaffen.
Heute können Besucher eine Vielzahl historischer Exponate entdecken: bäuerliche Gerätschaften wie Egge, Pflug, Grubber sowie Stroh- und Futterschneider ebenso wie eine detailgetreu eingerichtete Wohnstube, eine Küche mit originalen Utensilien und ein Schlafzimmer aus vergangener Zeit. Ergänzt wird die Ausstellung durch Werkzeuge, Tischlerbänke, Bienenkörbe und alte Nähmaschinen. Historische Fotografien und Bücher lassen Erinnerungen wach werden – und nicht selten hört man den Satz: „Weißt du noch, früher …“
Alle ausgestellten Stücke werden mit großer Sorgfalt restauriert und regelmäßig der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei ist der Heimatverein auch auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Wer selbst noch historische Gegenstände besitzt und zur Bewahrung der Heimatgeschichte beitragen möchte, ist herzlich eingeladen, diese zur Verfügung zu stellen. Der Sammlungswart sowie weitere Mitglieder des Vereins nehmen solche Erinnerungsstücke gerne entgegen.
Tag der offenen Tür steht an!
Den nächsten „Tag der offenen Tür“ ist der 01.11.2026 . Weitere Infos und Details finden Sie im Veranstaltungskalender. Führungen durch den Heimatkeller werden in Absprache gerne angeboten, auch Schulen und andere Institutionen sind herzlich Willkommen.
Chronik des Heimatkellers
Die Geschichte des Heimatkellers ist eng mit dem Engagement und der Leidenschaft vieler Vereinsmitglieder verbunden. Was einst als Idee zur Bewahrung regionaler Traditionen begann, entwickelte sich über Jahre hinweg zu einer umfangreichen Sammlung und einem lebendigen Ort der Erinnerung. Diese Chronik gibt Einblick in die Entstehung, den Ausbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Heimatkellers – getragen von gemeinschaftlichem Einsatz und dem Wunsch, Heimatgeschichte für kommende Generationen zu erhalten.
Einige Studenten aus der Universität Detmold haben ein kleines Video im Heimatkeller gedreht unter dem Motto “Gutes von Gestern”.
-
Der Wunsch, „die bäuerlichen Traditionen lebendig zu halten“, bestand schon kurz nach der Gründung des Heimatvereins. Initiator dieses Gedankens war Fritz Prante, der gemeinsam mit anderen Mitgliedern historische Gebrauchsgegenstände sammeln und bewahren wollte.
Die Umsetzung gestaltete sich jedoch schwierig:
Viele alte Augustdorfer wollten sich nicht von ihren Gegenständen trennen
Es fehlte lange Zeit an geeigneten Lagermöglichkeiten
Erst 1989 brachte Bodo Diekmann, damals Leiter des Baubetriebshofes, eine entscheidende Idee ein:
Ein ungenutzter Kriechkeller unter der Aula der Grundschule am Schlingweg – ursprünglich als Luftschutzraum geplant und mit alten Schulmöbeln vollgestellt – könnte als Lagerraum dienen. -
Der Keller hatte jedoch erhebliche Mängel: Der Boden bestand lediglich aus Sand.
Eine günstige Gelegenheit ergab sich 1990 beim Rückbau der Pivitsheider Straße. Bodo Diekmann sorgte dafür, dass ausgediente Gehwegplatten nicht entsorgt wurden, sondern für den Ausbau genutzt werden konnten.
Nach Absprache mit:
Gemeindedirektor Adolf Steffen
Bürgermeister Kurt Wistinghausen
konnte der Heimatverein einen Teil der Räumlichkeiten nutzen.
Mit großem körperlichen Einsatz wurde der Keller hergerichtet:
rund 80 Tonnen Sand zur Höhenregulierung eingebracht
über 600 Gehwegplatten verlegt
Beteiligt waren unter anderem:
Bodo Diekmann
Fritz Hofmeister
Rolf Wedertz
zahlreiche weitere Heimatfreunde
Um den Schulbetrieb nicht zu stören, fanden die Arbeiten häufig bis in die späten Abendstunden statt.
-
Nach Fertigstellung des Bodens ging es zügig weiter:
Hausmeister Lothar Pieper installierte die Beleuchtung
Mit gesponserten Platten der Firma Witex wurden Abtrennungen geschaffen
Eine strukturierte Raumaufteilung entstand
Nach und nach wurden thematisch zusammengehörige Exponate ausgestellt.
👉 1992 wurde der Heimatkeller erstmals für die Bevölkerung geöffnet.
-
In den folgenden Jahren prägten insbesondere:
Rolf Wedertz (Restaurierung und Katalogisierung bis 2009)
Bodo Diekmann (Beschaffung weiterer Exponate, auch aus umliegenden Orten)
die Entwicklung des Heimatkellers und steigerten dessen Attraktivität.
Ab 2001 wirkte zudem Arnd Honisch an der Aufarbeitung der Exponate mit.
Ab 2010 übernahmen Dieter Renger und Rüdiger Niehues die Leitung des Heimatkellers.
-
Mit der Zeit wurde der Platz im Keller zunehmend knapp. Daher wurden folgende Maßnahmen notwendig:
2010: Auflösung der Restaurierungswerkstatt
2012: Auslagerung überschüssiger Exponate zur Rühlmannstätte
Die freigewordene Fläche wurde erneut mit Sand und Gehwegplatten ausgelegt, sodass der gesamte Raum nutzbar wurde.
-
Zur weiteren Nutzung mussten Brandschutzauflagen erfüllt werden:
Einbau einer Brandschutz-Fluchttür
Streichen von Decke und Wänden in Gemeinschaftsarbeit
Teilweise neue Raumabtrennungen
Erweiterung der Beleuchtung
So entstand ein ansprechendes, vollständig nutzbares Heimatmuseum im Keller.
-
Durch zusätzliche Spenden und Umgestaltungen wuchs die Sammlung weiter, sodass die Präsentation zunehmend schwieriger wurde.
Da es keine Fortschritte bei der Nutzung der Rühlmannstätte gab, mietete der Heimatverein schließlich einen Munitionsbunker der Bundeswehr, um überschüssige Exponate auszulagern.
-
Rüdiger Niehues war über viele Jahre als Sammlungswart tätig.
Er:koordinierte Führungen
nahm Exponate entgegen
organisierte und betreute Restaurierungen
Zu den restaurierten Objekten zählen unter anderem:
eine komplette Filmvorführanlage aus dem ehemaligen Soldatenheim
eine Friseurstube
alte Kirchenfenster
Kinderwagen
Nach fast 10 Jahren gab er diese Aufgabe aus persönlichen Gründen ab.
❋
Bildergalerie Heimatkeller
Artikel über den Heimatkeller in der Zeitung “Der Dom”
Der Tradition verbunden und offen für Neues
Text: Andreas Wiedenhaus // Fotos: Patrick Kleibold
Augustdorf
Der kleine Holzgriff wackelt ein wenig und quietscht beim Drehen kaum hörbar. Jetzt die Augen schließen und schon löst das leise schabende Geräusch eine ganze Kette von Erinnerungen aus: der Duft in der Küche, die Vorfreude auf ein leckeres Stück Kuchen. Wie hat man sich als Kind gefreut, wenn man beim Backen helfen und die Mandelmühle drehen durfte!
Gleich eine ganze Reihe solcher kleiner Mühlen ist an der Kante des Küchentisches angeschraubt. Auch sonst scheint man in die Vergangenheit zurückversetzt: alte Küchenherde mit emaillierten Töpfen und geschmiedeten Pfannen darauf, daneben eine Kohlenschütte. Ein großer Waschkessel erinnert an die Zeit, als das Wäschewaschen noch harte Arbeit war, und ein paar Meter weiter entfernt steht ein großer kupferner Badeofen – man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Hier ist offensichtlich die Zeit stehengeblieben. […]
Den vollständigen Artikel über den Heimatkeller, der in der Zeitschrift „Der Dom“ veröffentlicht wurde, können Sie unter folgendem Link lesen.