Der stillen Senne Poesie
Der Gedenkstein für Ludwig Altenbernd steht am Augustdorfer Rundwanderweg. 2007 ist er dort aufgestellt worden. Foto: Yvonne Glandien
Dem Heimatdichter Ludwig Altenbernd sind in Augustdorf ein Gedenkstein und eine Straße gewidmet, Sein Werk ist heute kaum noch bekannt. Dabei hat der Lyriker in seinen Gedichten das Leben der damaligen Zeit festgehalten.
Wer durch Augustdorf flaniert, hat seinen Namen mit Sicherheit schon einmal gesehen: Ludwig Altenbernd ist ein wahrer Sohn der Senne. Obwohl ein Gedenkstein am Rande des Rundwanderwegs an den Dichter erinnert und ein Weg nach ihm benannt ist, sind seine Werke heute längst nicht mehr Pflichtlektüre. Grund genug, einen Blick auf das Leben und Wirken des Mannes zu werfen, der die Liebe zu seiner Heimat in Versform niederschrieb.
Ob Ludwig Altenbernd eine wichtige Rolle in der Augustdorfer Geschichte einnimmt? Was für eine Frage. „Seine Gedichte handeln größtenteils von Heimat, vom Teutoburger Wald, von der Senne“, sagt Joachim Biere vom Heimatverein Augustdorf. Auch wenn sie nicht immer ganz leicht zu lesen seien, zeichneten sie ein spannendes Bild von der Region. Einer, der sich viel mit Altenbernd beschäftigt hat, ist Ernst Fleischhack: „Die Senne-Gedichte nehmen ganz wesentlich das Lebensgefühl und die Lebenseinstellung der in diesem Landstrich ihr Dasein fristenden Bewohner in den Blick“, sagt der ehemalige Bibliothekar des Landesarchivs.
Und in der Tat beschreibt Altenbernd seine lippischen Landsleute. In „Arbeiterinnen der Senne“ (Kasten) gehe es etwa um ein armes Mädchen, das Altenbernd beim Einsammeln von Beeren für die Reichen der Stadt schildert. Im Gedicht „Die Senne“ nimmt sich Altenbernd seinem Geburtshaus an, der Senne, die er als „Stiefkind der Natur“ betitelt, die erst im späten Sommer ihre wahre Schönheit entfaltet. „Das ist die Poesie der Haide, der stillen Senne Poesie“ heißt es da.
Dass Altenbernd seine Heimat zu schätzen wusste, machen seine regelmäßigen Besuche deutlich. Den 1818 geborenen Sohn eines Schullehrers verschlug es als jungen Mann nach Detmold. Er, der als Kind einen schweren Unfall erlitt, eine Schädigung der Wirbelsäule behielt und auf Krücken angewiesen war, arbeitete zunächst als Nachhilfelehrer. Am Hofe des Fürsten fand er schließlich Arbeit als Kammerkalkulator und zeichnete als solcher 1871 verantwortlich für die „Tabellen zur Verwandlung des lippisches Maßes und Gewichts in metrisches Maß und Gewicht sowie zur Umrechnung der Preise“. Schülernachhilfe gab er aber weiter, Kindern aus armen Verhältnissen erließ er sogar die Kosten. In seiner Freizeit kehrte er immer wieder in die Heimat seiner Kindheit zurück.
Ludwig Altenbernd lebte zurückgezogen. Er starb nach einem Schlaganfall 1890 in seinem Wohnhaus in der Detmolder Grabbestraße, an dem heute noch eine Gedenktafel an ihn erinnert. „Ein tiefes Bedürfnis war es ihm, sich von den Fesseln des Alltags innerlich loszukämpfen“, schätzt Ernst Fleischhack seine Situation ein.
Aus dieser innerlichen Lage heraus schrieb Altenbernd seine Gedanken in Versform nieder. Viele der Werke schickte er der Lippischen Landes-Zeitung (vor 1878 noch Lippisches Regierungs- und Anzeigenblatt) zur Veröffentlichung. Über Lippe hinaus ist der Dichter kaum berühmt geworden. Dabei lohnt es sich, einen Blick in seine Werke zu werfen.
Kontakt zur Autorin: 05231-911189 oder yglandien@lz.de
06.02.2021